Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus in tiefer Trauer und mit dem Bewusstsein, dass das Leid, das ihnen zugefügt wurde, niemals wiedergutzumachen ist.
Wir halten inne und erinnern an die Millionen Männer, Frauen und Kinder, die entrechtet, gequält und ermordet wurden, weil sie als „anders“ oder „minderwertig“ galten.
Unser Gedenken gilt den jüdischen Menschen, den Sinti und Roma, den politisch Verfolgten, den Menschen mit Behinderung, den Homosexuellen, den Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie allen weiteren Opfern des nationalsozialistischen Terrors. Wir denken an die zerschlagenen Familien, an die geraubte Kindheit, an das Verstummen ganzer Gemeinschaften und an die Leere, die diese Verbrechen bis heute hinterlassen. In unserer Trauer erinnern wir auch an die grauen Busse, mit denen Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten abgeholt und in die Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel gebracht wurden – scheinbar unscheinbare Fahrzeuge, die für die Angehörigen das grausame Zeichen waren, dass ihre Liebsten nie zurückkehren würden. In besonderer Weise erinnern wir an die Orte des Schreckens in Brandenburg: an das frühe Konzentrationslager im Alten Zuchthaus in Brandenburg an der Havel, an die dortige Tötungsanstalt im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ und an die vielen weiteren Lager-, Haft- und Zwangsarbeitsorte in unserer Region. Sie stehen für unermessliches Leid, für Entrechtung und systematische Vernichtung, und sie fordern uns auf, hinzusehen, zu benennen und nicht zu vergessen.
Aus der Trauer erwächst für uns ein klarer Auftrag: Wir stellen uns jeder Form von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen.
Das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist untrennbar verbunden mit der Verantwortung, unsere demokratische, freie und menschenwürdige Gesellschaft täglich zu schützen und zu stärken.





